Keime & Pilze

Keime:

 

Pseudomonas aeruginosa

Seit mehreren Millionen Jahren bewohnt das Bakterium Pseudomonas den Erdball. Aufgrund seiner hohen Anpassungsfähigkeit kann es sowohl in basischem als auch in saurem Milieu leben. Hauptsache es handelt sich um ein wasserhaltiges Umfeld wie Abwasser-rohrsysteme, Oeltanks, Whirlpool, etc. Es gibt verschiedene Pseudomonasarten wie z.B. Pseudomonas aeruginosa, Pseudomonas stutzeri, Stenotrophomonas maltophilia, Burkholderia cepacia … etc. Neben der Vorliebe für Flüssigkeiten ist allen gemeinsam, dass sie toxische Substanzen bilden können. Diese lösen ihrerseits verschiedenste Krankheiten wie Hautinfektionen (Follikulitis), Herzklappenentzündung, Lungenentzündung oder Blutvergiftung (Sepsis) aus.

 

Pseudomonas in der Lunge

Bei immungeschwächten Menschen kommt zu einer Verminderung der unspezifischen Abwehr der oberen und unteren Atemwege, d.h. der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen und der Schleimhaut der Bronchien. Dies begünstigt die Besiedelung mit Pseudomonas. Aufgrund seiner speziellen Oberflächenstruktur kann der Pseudomonas leicht an die veränderte CF-Atemwegsschleimhaut binden. Haftet der Pseudomonas einmal, schüttet er viele toxische Substanzen aus, die eine Entzündungsreaktion und in der Folge eine Zerstörung der Schleimhaut bewirken. Zusätzlich kann sich das Bakterium zu ”Mikrokolonien” zusammenschliessen. Diese schleimig-zuckerigen Formationen (=”Biofilm”) dehnen sich mit der Zeit mehr und mehr aus und können die ganze Atemwegsschleimhaut oder grosse Teile davon überziehen. Bei etwa 80% der 18-jährigen CF-Betroffenen sind die Atemwege mit Pseudomonas kolonisiert. Zwar kann mit einer Inhalation oder der Einnahme von Antibiotika, die gegen Pseudomonas aktiv sind, die Bakterienzahl reduziert werden, aber ein Ausrotten (=Eradikation) ist meist nicht mehr möglich. Mit den Jahren wird die Lunge durch die von Pseudomonas ausgelöste chronische Infektion kontinuierlich zerstört. Dann kommt als Therapieoption nur noch die beidseitige Lungentransplantation in Frage.

 

 

Staphyloccocus aureus

Staphyloccocus aureus ist einer der häufigsten Krankheitserreger des Menschen und verursacht

ein breites Spektrum von Infektionen, angefangen von kleineren Haut- und

Wundinfektionen bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Pneumonie,

Endokarditis, Meningitis, Osteomyelitis und Sepsis.

Etwa jeder dritte Mensch ist zumindest zeitweise Träger von S. aureus (d.h. S. aureus gehört zur physiologischen Flora, der Mensch wird „Keimträger“). Dieser Keimträgerstatus bleibt im Regelfall unbemerkt. Die Staphylokokken besiedeln den Nasenvorhof (von wo aus sie auch durch einen Abstrich per Screening-Untersuchung nachgewiesen werden können).

So lange das Immunsystem des Menschen einwandfrei arbeitet kommt es trotz Keimträgertum mit einiger Sicherheit auch nicht zu einer Erkrankung. Äußere Einflüsse, die zu einer Schwächung des Immunsystems führen, können jedoch den Gleichgewichtszustand stören. Hierdurch kann sich für den Erreger die Möglichkeit ergeben, sich über den Organismus des Wirtes auszubreiten. Solche äußeren Einflüsse können sein: ungewöhnliche Stressfaktoren, hormonelle Einflüsse (Regelblutung etc.), Störung des Säureschutzmantels der Haut, und viele andere. Auf der anderen Seite steht der Erreger, S. aureus, mit seinen spezifischen Faktoren, die eine Infektion bzw. Erkrankung beeinflussen können.

Die Erkrankung der Lunge ist die häufigste Todesursache bei CF- Patienten.

S. aureus verursacht bei über 36 % der CF- Patienten aller Altersgruppen Lungeninfektionen und wird bei dieser Erkrankung zusammen mit P. aeruginosa als häufigstes Lungenisolat gefunden.

 

 

Mycobacterium absessus

Mycobacterium absessus gehört in die Kategorie nicht tuberkulöse Keime und derzeit sind über hundert nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM) bekannt.

Vorkommen:

durch direkten Kontakt oder als Aerosol, Springbrunnen, Whirlpools, Luftbefeuchter, feuchte Wände

Lebensmittel, durch Reinigung mit Wasser &  Speiseeis

die von NTM hervorgerufenen Erkrankungen: Lungenerkrankungen, Lymphadenitis, Hauterkrankungen, Weichteilerkrankungen, Fremdkörper/Katheder-Infektionen

Gefährdet sind Immunsupremierte, Patienten mit einer pulmonalen Grunderkrankung, cystische Fibrose, COPD und Patienten mit chronischem Brechreiz.

Pulmonale Symptome – vor allem die pulmonalen Infektionen mit M. abscessus ist besonders gefährlich.

 

 

 

Burkholderia cepacia

Burkholderia cepacia ist ein Nass- und Bodenkeim. Er kommt in unserer natürlichen Umgebung vor und konnte bisher in stehenden und fließenden Wassern wie Abläufen von Waschbecken, Duschen, Badewannen bzw. in Sedimenten von Teichen, Weihern und Flüssen nachgewiesen werden. Als Bodenkeim ist er vor allem an Wurzel- und Knollenbereich von Pflanzen, Gemüse (Zwiebeln) zu finden. Unter der Bezeichnung Burkholderia cepacia wird eine große Anzahl von Bakterien zusammengefasst, die sich genetisch ziemlich stark voneinander unterscheiden. Daher werden sie in Untergruppen unterteilt, sogenannte Genomovare. Sie besitzen eine natürliche Resistenz gegenüber vielen Antibiotika.

Übertragung:

Eine Übertragung kann durch orale Aufnahme des Keimes mit dem Wasser oder kontaminierten Pflanzenteilen stattfinden. Im Privatbereich der Patienten sollte deshalb auf den Einsatz von Luftbefeuchtern, Sodastreamern und Komposteimern verzichtet werden. Die größte Gefahr für eine Übertragung stellt jedoch der mit Burkholderia cepacia besiedelte Patient dar. Eine Übertragung ist durch eine Schmierinfektion oder durch ausgehustete Aerosole möglich. Hat der Keim die Lunge des Mukoviszidose-Patienten besiedelt, kann der Krankheitsverlauf sehr unterschiedlich sein. Während bei den meisten Patienten keine Verschlimmerung eintritt, erleiden andere Patienten eine drastische Verschlechterung. Da der Keim viel stärker infektiös ist als Pseudomonas aeruginosa, muss größte Sorgfalt walten, um eine Übertragung von Patient zu Patient zu vermeiden. Deshalb sollten Burkholderia cepacia positive Mukoviszidose-Patienten nicht mit anderen CF-Patienten in Kontakt kommen, weder im Krankenhaus, in der Ambulanz, einer Rehabilitationsstätte oder im Privatbereich.

 

 

Haemophilus influenzae

Haemophilus influenzae lebt ausschließlich in den Schleimhäuten des Menschen, vor allem in denen des oberen Atmungssystems (Nase,RachenLuftröhre) und verursacht dort entzündliche Erkrankungen (EpiglottitisBronchitisPneumonie). Übertragen wird das Bakterium vor allem als Tröpfcheninfektion, außerhalb der Schleimhäute ist es nur kurz lebensfähig. Aufgrund seiner Präsenz besonders bei Grippeerkrankungen hielt man es früher für den Erreger der Grippe, bis man das Grippevirus als tatsächlichen Verursacher identifizieren konnte. H. influenzae wird daher bei der Grippe als Erreger sekundärer Symptome angesehen, der von der Schwächung des Menschen durch die Viren profitiert. Vor allem bei Kleinkindern ist dieses Bakterium auch Erreger von Hirnhautentzündungen (Meningitis) und weiteren entzündlichen Erkrankungen. Als Prophylaxe wird eine Schutzimpfunggegen H. influenzae Typ b (HIB-Impfung) empfohlen. Weltweit sterben jährlich geschätzt 371.000 Kinder unter 5 Jahren an dieser impfpräventablen Infektion. Der Nachweis erfolgt aus Sputum und Blut.

 

 

Pilze:

In der Mikrobiologie werden drei Arten von krankmachenden Pilzen unterschieden:
Schimmelpilze: Z. B. Aspergillus niger, der durch das Einatmen von Pilzsporen für den Menschen gefährlich werden kann.

Dermatophyten: Eine Gruppe von Pilzen, die sich auf der Haut oder den Fingernägeln ansiedeln kann und dort vom  vergleichsweise harmlosen Fußpilz bis hin zu hautzerstörenden  Erkrankungen entwickeln  kann.

Hefen: Jede Hefe ist letztlich ein Pilz (wobei nicht jeder Pilz eine Hefe ist). Der Begriff „Hefen“ wird übersetzt mit Candida. Deshalb spricht der Fachmann auch immer von einer „Candida albicans“ oder „Candida krusei“ Infektion, fügt also die genaue Bezeichnung welcher Hefepilz gefunden wurde, an.

Hefepilze gelten meist als ungeliebte, aber auch ungefährliche Mitbewohner im menschlichen Darm. Die meisten Arten sterben relativ schnell wieder ab, da die Immunabwehr des Menschen gelernt hat, schädliche Pilze zu identifizieren und zu zerstören. Eine Besiedelung des Dünndarms mit der Art Candida-Albicans ist häufig und bei intakter Immunabwehr auch keine allzu große Gefahr. Hefepilze werden im Darm auch durch die natürliche Besiedelung mit Darmbakterien (Acidophilus u.a.) an ungebremstem Wachstum gehindert und in verträglicher Population gehalten. Durch den teilweise etwas zu sorglosen Umgang mit hochwirksamen Antibiotika und den Verzicht auf einen nach der Antibiotika-Einnahme eigentlich obligatorischen Darmaufbau mit darmmilieu-freundlichen Bakterien hat sich die Situation allerdings deutlich verändert. Darmpilze können in einem immungeschwächten Körper häufig jahrzehntelang wuchern und das Leben für die Betroffenen durch eine Vielzahl von Leiden und stark belastender Einschränkungen in ein wahres Martyrium verwandeln.

 

Candida albicans

Symptome:

Sicher ist, dass Blähungen und Verdauungsbeschwerden zu Anfang der Candida-Infektion die häufigste Begleitung sind. In späteren Phasen finden sich gichtähnliche Muskel- und Gelenkschmerzen, auffällige Leberwerte, Müdigkeit, starke Konzentrationsschwächen, Schwindel, Heißhunger auf Süßes, Kurzatmigkeit, ständig wiederkehrende Erkältungskrankheiten, belegte weiße Zunge…

In einer späten und seltenen, aber sehr gefährlichen Phase der Pilzerkrankung können Blase, Nieren, Bronchien, Lunge, Herzklappen, die Geschlechtsorgane und die Augen von Pilzzellen befallen sein und zu ernsthafter Gefährdung führen. Pilze können sich unheimlich rasch vermehren. Unter optimalen Bedingungen kann sich die Anzahl von Pilzzellen im Dünndarm innerhalb von 20 Minuten verdoppeln.

 

Aspergillus ABPA

Allergische bronchopulmonare Aspergillose äußert sich durch klassische asthma-ähnliche Symptome wie chronische Entzündung mit Infiltration der Bronchien und Bronchiolen und Erweiterung und Anschwellung (Bronchiectasis) der Gewebe. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es zu einer Lungenfibrose und Zerstörung von Lungengewebe kommen. Die entzündlichen Erscheinungen werden durch eine chronische, allergische Reaktion auf Aspergillus-Spezies (meistAspergillus fumigatus, aber auch Aspergillus terreus) ausgelöst, welche als erhöhter Antikörperspiegel im Blut nachgewiesen werden kann. In vielen Fällen zeigt der Patient eine Reaktion auf Antigenextrakte von Aspergillus fumigatus im Hauttest.

 

Allgemeine Hygienemaßnahmen

Die Patienten und Angehörigen sollten über den Keim unterrichtet werden, damit sie die notwendigen Hygienemaßnahmen verstehen und einhalten können. Der Patient sollte mit Mundschutz und Händedesinfektionsmittel für die Tasche ausgestattet sein.

 

ambulant

Ambulanztermin mit Voranmeldung, am Ende der Sprechstunde

vor Betreten der Ambulanz Mundschutz anlegen

vor Betreten der Ambulanz die Hände sachgerecht desinfizieren

auf direktem Weg in das zugewiesene Untersuchungszimmer gehen

bei Verlassen des Untersuchungszimmers Mundschutz anlegen und Hände desinfizieren

Mundschutz außerhalb der Ambulanz entsorgen

 

stationär

vor Betreten der Station  Mundschutz anlegen

Händedesinfektion

eigene Inhalette und Vaporisator benutzen, Inhalette täglich zur Zentralsterilisation

Hände nach Sputumkontakt, Husten und Niesen in die Hand desinfizieren

das Zimmer möglichst nicht verlassen

vor Verlassen des Zimmers Mundschutz anlegen und Hände desinfizieren

 

 

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